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Der Zustand der deutschsprachigen Literaturblogosphäre

Freitag, 9. November 2012

Man muss doch Johannes Schneider dankbar sein! Er hat heute im Tagesspiegel über die Literaturblogosphäre geschrieben, der Aufhänger ist der Berliner Nachwuchsvorlesewettbewerb Open Mike, der in diesen Tagen zum 20. Mal stattfindet und sich dazu zum ersten Mal ein Blog leistet. Als ob dat was janz Neuet wäre. Und auf einmal wird Literaturbloggen ein Thema in diesem Land. Sollte man auch dem Open Mike dankbar sein? Wir werden sehen.

Natürlich kann man Johannes die Hildesheimisierung vorwerfen, weil der einzige deutschsprachige Blogger, den er erwähnt, ein Hildesheimkollege ist: Stefan Mesch, der mir bisher vor allem über seinen Twitterkanal @ebookreport aufgefallen ist. Und der jetzt als „embedded blogger“ vom Open Mike berichten wird. Ich denke, das bekommt er gut hin – ist doch das Open-Mike-Blog jetzt schon ein Stefan-Mesch-Blog, bei dem er sich von Freunden interviewen lässt und lässig-lange Beiträge mit Leselisten verfasst. Merke: Listen gehen gut im Netz. (Daher hab ich auch meine Blogrolls überarbeitet). Die andere Bloggerin, die Johannes nennt, ist die wirklich höchst lesenswerte und seit Jahren aktive Übersetzerin/Vielleserin Katy Derbyshire mit Love German Books. Gut, viele sind das nicht.

Daher regen sich nun die Ungenannten auf, z.B. Katja auf Writeaboutsomething oder Gregor Keuschnig in dem dortigen Kommentarbereich (er bloggt hier) und Gesine von Prickwitz‘ Interviewreihe mit bibliophilen Bloggern Steglitzmind wird von Tagesspiegelkommentaren erwähnt. Womit man mal wieder sieht, wie gut das Web 2.0 funktioniert, wenn wir es mal dialogisch nutzen und wenn es eine THESE gibt. Ich zumindest hatte in den vergangenen Jahren immer den Eindruck, dass es zwar viele Blogs über Bücher und Leseerfahrungen existieren, aber wenige, die sich wirklich einem ästhetischen Themenschwerpunkt oder aktuellen Betriebsfragen widmen. Die eigene Debatten im Netz beginnen, die dann von anderen Blogs aufgenommen werden. Es kann doch nicht sein, dass wir nun auf Debatten reagieren, wenn sie von den Zeitungsverlagen angestoßen werden…

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Handlungsbereit

Mittwoch, 29. August 2012

Man sollte sich nie von Selbstdarstellungen abschrecken lassen. Nehmen wir diese Kuratorenprosa zu den Bildern der Ausstellung Handlungsbereitschaft in den Kunstsälen, Berlin:

Fakt ist, dass das vage Gefühl ‚alles wäre bereits da gewesen‘ nicht unbegründet scheint.

Was ist damit gemeint? Wie kann, ich übersetze mal in verkürztes, weniger umständliches Deutsch, „eine Tatsache begründet wirken“? Eine Tatsache ist ganz einfach eine Tatsache. Sie scheint nicht und sie ist auch nicht begründet oder unbegründet. Unabhängig von diesen verklausulierten Sätzen, die mir erst einmal gründlich die Lust daran verdorben haben, mich genauer mit solchen Aussagen zu beschäftigen, gefiel mir das, was ich vor Ort in den Kunstsälen gesehen habe, meist sehr gut. Und die Kuratorinnen und Kuratoren von Bublitz, einem jungen Kollektiv, reden auch viel verständlicher. Und sind sehr nett. Leider ist die Ausstellung, die die Werke junger, meist noch studierender Künstler in der subjektiven Auswahl von Vertretern ihrer Generation zeigt, nur noch bis zum 2. September zu sehen. Das Schöne am Internet ist, dass mein Text zum Thema, den ich für den Kunstmarkt des Tagesspiegels geschrieben habe, noch weiter zu lesen sein wird. By the way: Der Titel „U-30-Party“ ist nicht von mir.

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