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Sylvia Plath

Sonntag, 1. Mai 2011

Auf dem Lyrikerstammtisch neulich endlich jemanden (Mikael Vogel) getroffen, der auch Sylvia Plath liest. Darüber meine alten Übersetzungen ihrer späten Gedichte aus dem Jahr 1963 herausgekramt und überarbeitet. Eines der Gedichte, Words, ist das, was wie kein anderes Sprache, Klang, Gewalt, Erinnerung, Natur, Körperlichkeit überblendet. Wörter wie Äxte, ja, so ähnlich sagte es schon Kafka, der forderte, die Literatur müsse sein wie die Axt für das gefrorene Meer in uns. Sylvia Plath lässt die Wörter wie Äxte in die Welt knallen, aber die Wortbedeutungen galoppieren mit dem Schall durch den Wald davon. Es bleibt der Nachhall, der Einbruch in die Wirklichkeit. Ein sehr rhythmischer und neurologischer Zugang zu dem Material des Gedichts. Heute weiß man, dass Geräuschschocks eine Art Erinnerungskerbe im Gehirn hinterlassen. Ja, und multisemantisch ist dieser Zugang auch, denn wie die Ringe im Wasser sich ausbreiten, so breitet sich der Schall aus in alle Richtungen. Das Zentrum ist die Setzung, die Wirkung ist eine fortlaufende konzentrische Bewegung. Die „fixed stars“, dieser Neologismus, enthält dann schließlich auch wieder unzugänglichen Sinn, aber diesmal hermetisch, etwas fast Romantisch-Unerreichbares, brutal verschlossen: Sterne im Firmament, das ist etwas Urpoetisches, aber hier dienen sie nicht etwa als Fixsterne  der Orientierung, sondern ganz schnöde der „Feststellung“ als festgezurrte Natur. Die wiederum als bloße  Wiederspiegelung das Leben lenkt. Weitere Anmerkungen erwünscht!

Wörter

Äxte
nach deren Schlägen der Wald schellt,
und die Echos!
Echos, vom Zentrum austrabend
wie Pferde.

Der Saft
quillt wie Tränen, wie das
Wasser, das seinen Spiegel
über dem Brocken wiederherstellen
will.

Er tropft und wankt,
ein weißer Schädel,
von Moosgrün zerfressen.
Jahre später
treffe ich sie auf der Straße wieder –

Wörter, trocken und unberitten,
das unermüdliche Hufeklappern.
Während
fixierte Sterne vom Beckengrund aus
ein Leben regieren.

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