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Bit.lyrik

Freitag, 7. September 2012

Es ist möglich, mit dem Netz zu schreiben, es also als ein Schreibgerät zu verwenden. Das berühmteste Beispiel ist wohl der Poetry CreatOR, eine Java-betriebene Seite, von zwei Stanford-Studenten entwickelt, die aus Fundstücken im Netz neue Gedichte zusammenwürfelt. Die Anthologie Adventures in Form, die im englischen Indie-Verlag Penned in the Margins erschienen ist, herausgegeben vom Verleger Tom Chivers himself, versammelt die unterschiedlichsten Lyrikexperimente, darunter so englisch-exzentrische wie das der Quantentheorie verschriebene „Quantum Haiku“ von Valerie Laws, das dadurch entstand, das 14 lebendigen Schafen ein Wort auf das Fell geschrieben wurde und diese Schafe sich in einer von 87 Millionen Möglichkeiten willkürlich auf einer Wiese verteilten. Ein Kapitel „Txts, Tweets and Status Updates“ ist der netzunterstützten Lyrik gewidmet. Da gibts „A day on Facebook“ mit aufeinanderfolgenden Statusmeldungen oder txt-Gedichte, die unter http://www.lingo2word.com/translate.php übersetzbar sind.

Ich war inspiriert und habe heute innerhalb von zehn Minuten, zwischen 15.16 und 15.26, immer dann, wenn sich die Tweets aktualisierten, aus den ersten, die auf meinem Bildschirm sichtbar waren, eine Zeile herauskopiert. Das ist das Rohmaterial, samt Urheber:

We’re extremely excited to announce: EyeEm 3.0 is here! @EyeEm
Ist es legitim, alles Öl zu fördern, das die Welt zu bieten hat? Theo über das „schmierige, schwarze Gemisch“ @SPIESSER.de
To survive the coming food @Horse_ebooks
„I am not brave. I simply know what to be scared of…“ @lonlygrllauren
Feuilleton macht ratlos. @bosch
Bester E-Mail-Betreff der Woche: „Herr X., es geht um Ihr Steak!“ @sebaso
It’s like: we need to feed everyone, „nature“ be damned. That „nature“ has smth to do with our ability to feed everyone never occurs to him. @evgenymorozov
Ohne Ende alte, rechtefreie Comics zum Download bei http://digitalcomicmuseum.com/ @MuseumsHeld

Daraus habe ich das folgende, gekürzte, bearbeitete bit.ly-Gedicht gemacht. Danke an die Twitterer für ihr Material!!

feuilleton macht ratlos

wir sind aufgeregt. wir verkünden: das dritte auge
ist da. denn es ist nicht legitim, alles öl zu fördern,
das die welt zu bieten hat. spießer theo
schreibt über das schmierige schwarze gemisch. überleben.
essen kommen, auf einem digitalen pferd. so geht nicht mut,
so geht wissen, das angst macht. denn es geht um unser steak.

der natur ist es egal, die natur ist verdammt.
sie muss jedem futter geben. aber sie kann nicht. ohne ende
laden wir rechtefreie comics runter.

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