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Erzähltheorie der Log Lady

Freitag, 14. Januar 2011

Der Mutter aller Serien, „Twin Peaks“ von David Lynch, ist in  jeder Episode die so genannte Log Lady vorangestellt. Wir könnten sie die Mutter der Mysterien, der Wahrheiten, der Traurigkeiten, der Geschichten nennen, die in Twin Peaks (Twinpieks), in dieser abgelegenen Kleinstadt im US-amerikanischen Nordwesten spielen. Diese zugleich weise, aber undurchschaubare Frau weiß mehr als alle, als der Zuschauer, die Bewohner, der FBI-Agent, ja, vielleicht auch als der Regisseur, denn sie spricht in einem beruhigenden Raunen, dem Ton des Erzählers, „dem raunenden Beschwörer des Imperativs“, wie Thomas Mann ihn nannte. Sie ist das Atmen vor dem Anfang. Wäre es nicht schön, wenn wir die Mütter anderer Kunstformen sammelten? Die Mutter der Skulptur, die Mutter der Musik, die Mutter der Lyrik? Die Mutter der Blogs wären das feuilletonistische Ich-Sagen und die Kommentarfelder, die weißen Stellen in den frühen Zeitungen. Das Erzählen ist nie abgeschlossen, es ist episodisch, so wie eine TV-Serie. Es setzt einen symbolischen Anfang, indem es einen Holzscheit aus dem Stamm schneidet, und hält diesen Scheit in die Welt. An diesem entlang wird dann weiter erzählt. Die Log Lady ist die Struktur dahinter.

Berekhat-Ram

Die uralte Steinskulptur aus Berekhat-Ram in Israel ist mindestens 233.000 Jahre alt.

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