Archiv für die Kategorie „Literatur“

Kollektive Sommerlesungen

Donnerstag, 16. Juni 2011

We have Lesungen!

Am Samstag, 18. Juni lese ich im Rahmen des Poesiefestivals Berlin bei Poets‘ Corner im Wagendorf Lohmühle, Treptow-Köpenick, von 11 bis 12 Uhr, mit Rery Maldonado, Stephan Reich, Alexander Gumz, Luise Boege, Konstantin Ames und Julia Trompeter. Dazu gibts Improjazz und Sonne und Wagendorfatmosphäre und Samstagvormittaggefühle. Organisiert von: Philip Maroldt.

Ebenso als Teilprogramm des Poesiefestivals, aber auch innerhalb des Kiez-Kunstfestivals 48 Stunden Neukölln, legt am Sonntag, 19. Juni um 16 Uhr die „Spreeprinzessin“ mit den Dichtern des chilenischen Literaturkollektivs Casa Grande und mit Vertretern von Los Superdemokraticos am Anleger Wildenbruchbrücke, Berlin-Neukölln, ab. Es lesen auf diesem deutsch-spanischen Schiff Sabine Scho, Rery Maldonado, Julio Carrasco, Cristobal Bianchi und ich. Schaukelt mit! Organisiert von: lauter niemand.

Schlussendlich ein kleines Highlight. Das Melt!-Festival hat in diesem Jahr ein Literaturprogramm, in welchem Los Superdemokraticos sich vorstellen. Wer dort in der Ferropolis bei Dessau sein sollte, kann geschriene, gelesene, skandierte Passagen aus unserem Buch, der superdemokratischen Anthologie mit 20 Seiten literarisch-politischem Glossar am Freitag, 15. Juli, um 19 Uhr hören. Der Verbrecher Verlag hat eine Textprobe, unsere kollektiv-verfasste Einleitung, online gestellt. Wer sich für kollektives Schreiben interessiert, kann übrigens die Leseliste des Seminars von Daniel Kehlmann und Adam Thirlwell zur „strategischen Vermessung künstlerischer Kollektive“ auf der FU-Seite einsehen (via Litaffin).

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Sylvia Plath

Sonntag, 1. Mai 2011

Auf dem Lyrikerstammtisch neulich endlich jemanden (Mikael Vogel) getroffen, der auch Sylvia Plath liest. Darüber meine alten Übersetzungen ihrer späten Gedichte aus dem Jahr 1963 herausgekramt und überarbeitet. Eines der Gedichte, Words, ist das, was wie kein anderes Sprache, Klang, Gewalt, Erinnerung, Natur, Körperlichkeit überblendet. Wörter wie Äxte, ja, so ähnlich sagte es schon Kafka, der forderte, die Literatur müsse sein wie die Axt für das gefrorene Meer in uns. Sylvia Plath lässt die Wörter wie Äxte in die Welt knallen, aber die Wortbedeutungen galoppieren mit dem Schall durch den Wald davon. Es bleibt der Nachhall, der Einbruch in die Wirklichkeit. Ein sehr rhythmischer und neurologischer Zugang zu dem Material des Gedichts. Heute weiß man, dass Geräuschschocks eine Art Erinnerungskerbe im Gehirn hinterlassen. Ja, und multisemantisch ist dieser Zugang auch, denn wie die Ringe im Wasser sich ausbreiten, so breitet sich der Schall aus in alle Richtungen. Das Zentrum ist die Setzung, die Wirkung ist eine fortlaufende konzentrische Bewegung. Die „fixed stars“, dieser Neologismus, enthält dann schließlich auch wieder unzugänglichen Sinn, aber diesmal hermetisch, etwas fast Romantisch-Unerreichbares, brutal verschlossen: Sterne im Firmament, das ist etwas Urpoetisches, aber hier dienen sie nicht etwa als Fixsterne  der Orientierung, sondern ganz schnöde der „Feststellung“ als festgezurrte Natur. Die wiederum als bloße  Wiederspiegelung das Leben lenkt. Weitere Anmerkungen erwünscht!

Wörter

Äxte
nach deren Schlägen der Wald schellt,
und die Echos!
Echos, vom Zentrum austrabend
wie Pferde.

Der Saft
quillt wie Tränen, wie das
Wasser, das seinen Spiegel
über dem Brocken wiederherstellen
will.

Er tropft und wankt,
ein weißer Schädel,
von Moosgrün zerfressen.
Jahre später
treffe ich sie auf der Straße wieder –

Wörter, trocken und unberitten,
das unermüdliche Hufeklappern.
Während
fixierte Sterne vom Beckengrund aus
ein Leben regieren.

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Wilde Subjekte!

Donnerstag, 21. April 2011

super-buch-II1-525x393Ist das ein Vogel oder ein Flugzeug, vielleicht ein LKW der BSR… Nein, Los Superdemokraticos sind hier mit ihren ultimativen, getränkten Papierstückchen für die Bewusstseinserweiterung aller unserer frei-willigen Konsumenten.

Wir nennen uns kurz: LSD, und mit maßgeschnittener Drogenherstellung und Drogenhandel haben wir eine Nische im Markt entdeckt. Wir nennen das: intellektuelles Fairtrade!

Wir gehören einer Gemeinschaft von Wild…en Lesern, Literatur-Aktivisten, politischen Subjekten an, weltweit… Menschen, die denken, dass man vor allem über das freie Lesen und den Kulturkonsum Demokratie bauen und nachhaltig machen kann. Weil Menschen überall die wichtigste Ressource sind. Von Facebook bis auf unserem Blog, von Mexiko über Venezuela, Deutschland, Irak oder Israel… aus mehr als zwölf Ländern rufen wir in unseren zwei Sprachen sehr laut:

„Heiße Texte! Internationale Newcomer! Krasse Rhythmen! Verbalterroristen! Hübsche Ärsche! Wilde Subjekte!” Und jetzt ihr: „Wil-de Sub-jekte!“

Schrei mit uns, am liebsten persönlich am Dienstag, 26. April, ab 20.30 Uhr im Monarch, Skalitzer Str 134, Berlin: Lesung mit Nora Bossong, René Hamann, Pedro Alexander Bravo, Rery Maldonado und Nikola Richter. Danach psychedelische Disko mit den DJs Yungas (Funk, Latino Groove) und Koalblao (Psychodelic Wildstyle).

Willkommen auf unserer Verbrecher Versammlung!
Eintritt 4 Euro.

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Frühjahrsrundschau

Freitag, 4. März 2011

Superdemokraticos Orange CoverMein Frühling ist einer mit vielen Seiten. Ja, gedruckte Seiten. Es erscheint das Superdemokraticos-Buch, das Rery Maldonado und ich zusammen herausgeben, im Verbrecher Verlag, worauf wir unglaublich stolz sind: Kurzessays von 26 Autorinnen und Autoren aus Deutschland und Lateinamerika und dazu auf mehr als 20 Seiten das ultimative superdemokratische Glossar von „Aktivismus, einsamer“ bis „Zungen“, Wörter, die die superdemokratischen Autoren zur Beschreibung unserer super-vernetzen Realität benutzen und definieren. Wir sind überzeugte Anhängerinnen von literarischem Aktivismus, die Idee dahinter veröffentlichen wir bald auf unserem Blog. Alle Hippies von Berlin laden wir herzlich zu unserer Buchpremiere in die Verbrecher-Versammlung im Monarch, am 26. April, 20.30 Uhr ein, zur LSD-Party. Wer psychedelisch gekleidet kommt, erhält freien Eintritt. Nach der bewusstseinserweiternden Lesung gibts psychedelische Musik von den DJs Koalblao und Patx. Vorher stellen wir uns der Leipziger Öffentlichkeit vor: Wir lesen am 17. März von 11-12 Uhr auf der Leseinsel der Jungen Verlage, Buchmesse.

Konfliktkulturen Cover

Damit nicht genug, denn noch ein Manuskript erblickt bald das Licht der Regale: Ich habe, unterstützt von René Hamann, einen Essayband redaktionell geplant und lektoriert, der im April im Steidl Verlag erscheint, herausgeben vom Goethe-Institut und dem Institut für Auslandsbeziehungen. Die Buchpremiere zu den „Konfliktkulturen“ findet am 12. April in der ifa-Galerie, Linienstr. 139, Berlin statt. Ich moderiere das Gespräch zwischen zwei Autoren des Buches, der Choreographin Helena Waldmann und dem Autoren Hamed Abdel-Samad, sowie dem Generalsekretär des ifa, Ronald Grätz und Christoph Bartmann, Leiter der Abteilung „Kultur und Information“ im Goethe-Institut. Der zweite Band ist bereits in Planung, er erscheint im Herbst, auch bei Steidl.

Auch journalistisch hab ich mich ein wenig betätigt: Ich habe den jungen Deutsch-Ägypter Ramy Mostafa porträtiert, der mir bei den Berliner Demonstrationen zur Solidarität mit den ägyptischen Protesten auffiel, im Freitag und auf Superdemokraticos. Und wer lieber Lyrik mag: In der Neuen Rundschau 4/2010 erschienen meine Übersetzungen eines Gedichtzyklus der argentinischen Autorin Cecilia Pavón „Ein Gedicht mit 27 Namen“, einige meiner neuen Gedichte sind im Poet Nr. 10 zu lesen.

Jetzt aber Schluss mit dem Werbeblock. Aktuelle Leseempfehlungen: Herfried Münkler über „Nachbarschaft, Freundschaft, Partnerschaft“ im Merkur. Und natürlich Tschick, der großartige Road-Roman von Wolfgang Herrndorf, im Interview erklärt der Autor seine lässigen Formatwechsel (mal Jugendroman, mal Thriller, mal Science Fiction) in der FAZ.

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materialbezug

Mittwoch, 29. Dezember 2010

die decke nimmt dir keiner weg, du liegst
geschützt auf sieben matratzen, softskinprincess.
wie haben dich die jahre gerändert, jetzt
kocht dein kopf vor allem regionale speisen, hackt
kükenragout und lässt taten die tage begatten.
du glaubst, der goldene oktober schmückt sich nur für dich,
die einsam feierliche nachsaison, in der du deine sinne schärfst:
wörter effektiv benutzen, grimmsche schleifen winden
fürs geschenkpapier der sprache. ein prosperierender verein,
in 500 jahren von 300.000 zu vier millionen, aktive
wie passive mitglieder. alles ist im werden.

mit verben schlafen wir ein, mit dem lippenstift im mund.
dein finger und mein finger berühren sich wie michelangelos.

die krisen sperren wir aus, die energiefragen haben schon längst
die multis geklärt, die kostbaren erden kauft china.

dieser und drei andere neue texte erscheinen im nächsten poet-mag, nr. 10. ich freue mich! hier der link zur aktuellen nr. 9.

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Kadaverchen

Montag, 8. November 2010

Der mexikanische Autor Carlos Vicente Castro erzählte mir, dass in seinem Land zum Dia de los Muertos/Tag der Toten diversen Personen des öffentlichen Interesses gereimte Nachrufe, so genannte Calaveritas, geschrieben werden, in denen sie an einer ihrer Charaktereigenschaften sterben. Zum Monat der Toten, dem November, habe ich mich nun auch an Nachrufen versucht, die ich Kadaverchen nenne (korrekt wäre: Schädelchen). Allerdings landen meine ausgewählten Freunde in Zwischenreichen, in anderen Realitäten… übersetzt ins Falschspanisch.

rery, la poeta anarchista que rie sin morir

wenn rery keine rauchen kann,
verkleidet sie sich gern als mann.
der bart ist freiheit, anarchie,
der tod, der findet sie so nie.

cuando rery no puede fumar,
se disfrace en hombre con barba,
para ella significa libertad y anarchy,
la muerte no le va encontrar nunca así..

carlos, el guadalajero con blog secreto

eines tages gelangte er in china
in einen raum voller maskuliner melodia
noch heute weiß nur er, was es dort gab,
das geheimnis nimmt er mit ins grab.

un dia carlos visitaba en china
una habitacion con musica masculina.
solo el sabe que pasó en sus vacaciones,
sobrevivi un blog de estas expediciones.

alan, el maya-hacker polylingual

mit alan kannst du auf zeitreise gehen
er weiß, welche kreise die sterne drehen
seine essays sind die kinder von cyber&ninja,
er selbst verschwindet täglich im land der maya.

con alan puedes viajar en el tiempo, bella,
puedes mirar a las galacticas y un estrella.
sus ensayos son los ninos de cyber&ninja,
el mismo desaparece cada dia en el país maya.

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Frau Eggers kennt die Trends…

Donnerstag, 4. November 2010

… der Buchbranche. Eine kurze Zusammenfassung der Begrüßungsrede von Petra Eggers, Literaturagentur Eggers, promovierte Historikerin und ehemals Lektorin bei Suhrkamp und Fischer, vor den Studierenden der Angewandten Literaturwissenschaft der FU Berlin in der Villa Luftraum in Schöneberg. Hier werden sonst Hochzeiten und Firmenparties gefeiert.

– Zeit der Riesenvorschüsse ist vorbei: statt 50.000 gibt es nun 10.000 Euro
– Zahl der Literaturagenturen in Deutschland ist daher auch gesunken (etwa 20?)
– größtes Thema der Buchbranche derzeit: Digitalisierung von Büchern
– das betrifft eher die Verlage und den Vertrieb und den Buchhandel, als den Autor
– der Autor, vertreten vom Agenten, hat ja jemanden, der Tag für Tag für seine digitalen Rechte eintritt; die Lage verändert sich schrittweise, ein zähes Verhandeln
– Ebookmarkt ist in den USA schon sehr groß, aber dort ist der Vertrieb für Ebooks auch besser organisiert als in Deutschland: Hier weiß niemand so richtig, wo er seine Bücher herbekommt; die Verlage haben zu wenig darüber nachgedacht
– digitaler Markt: Chance für Nachwuchs, denn die älteren Lektoren und Verlagsmitarbeiten haben Mühe, sich in die neuen Techniken einzudenken
mobile Lesegeräte: schnell fallende Preise, von ehemals 300 zu jetzt 100 Doller. Bald wird man ein Lesegerät sogar umsonst bekommen (wie bei einem Handyvertrag), wenn man sich zu anderen Zahlungen verpflichtet, z.B. pro Monat ein Buch aus einem Buchclub zu kaufen oder 10 Downloads zu machen
– Ebooks werden das Taschenbuch ablösen, Hardcover wird nicht verschwinden
– im Moment verkaufen sich Ebooks in Deutschland auch deshalb noch nicht so gut, weil für sie die Buchpreisbindung gilt
– Ebook-Leser kaufen grundsätzlich etwas zu viel (das ist gut für die Verlage)
– das Leseverhalten ändert sich: Der Ebook-Leser hat seine gesamte Bibliothek dabei, muss sich nicht auf ein Buch einlassen, kann mehrere Bücher gleichzeitig auf dem Display geöffnet halten und zwischen den einzelnen Werken hin- und herwandern.
– Autoren haben Lust, neue Formate zu entwickeln, die nur auf Ebooks funktionieren: Fortsetzungsromane etwa.
– In ein paar Jahren werden sich ein paar neue große Ebook-Verlage gegründet haben.

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verlass das hotel

Dienstag, 28. September 2010

die mitte ist jetzt ein hotel für touris und bankerpacks.
die hipster ziehen mit der ubahn in den süden, ohne masse. ich lasse
das alte sofa auf der straße stehen. komm, BSR, und lass mich
nicht allein, berliner stadt. reinigung muss sein. sie kommt
mit einem kran, und während ich von ferne schaue,
(du sagst: romantikerin), kracht unser perfekt auf die ladefläche. schrott
wird zu schrott.
nothing will come out of noting. ein obdachloser
schlief eine nacht darauf. eine internationale WG
wollte es als gästebett. aber, sorry, zu schwer.

mein haus ist kein hotel, die stufen meiner treppenpilgerfahrt
zwingen mich, ins helle zu denken, schattenzuboxn. seit 2008
hakt eine mandarinenschale im taubengitter, fad mit grau.
im geiste singt mir da ein meister der stille. summt om. wenn er kniet,
ruft ein mutiger fan hallelujah. die meisten klatschen im takt der videoleinwand,
obwohl sie wissen, es gibt keine erlösung, höchstens die möglichkeit,
mit tieren zu sprechen. nachts besuchen mich fledermäuse,
fliegende gänse, die meine augen suchen, fische, wasserratten,
die an meinen schuhen knabbern. tags umschwirren mich
meine gedanken wie mücken, und ein spatz kommt vorbei,
um die gerichte meiner mutter zu probieren.

fazit dieser erfahrung:

ich bin nicht unicef, ich war nie unicef.
dieser text kostet nichts außer ein herzklopfen.

….

tom bresemann, rery maldonado und ich lesen neue texte am freitag, 30. september, in der spukkommune. im rauchhaus. dort stellen sich alternative veröffentlichungsplattformen vor: editorial vox, milena caserola, el asunto und los superdemokraticos. organisiert von ausias.

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Leertaste

Sonntag, 5. September 2010

Ein surrealer Tag: Durch Kreuzberg fahren gegen 22 Uhr lautlose Polizeikolonnen mit Blaulicht, ein Sandwichmann mit elektronisch dudelner Hupe demonstriert alleine für das „Kommunale Wahlrecht“ von etwas, das sich von Weitem wie TPrIPR liest, der Kellner in der Bar Trödler legt vor mich einen Zettel „Neben euch sitzt ein Dieb“. Woran erkennt man einen Dieb? An dem gestreiften T-Shirt, dem aufgepumpten Körper, der dicken Goldkette? Und was möchte er stehlen? Unser alten Handys? Oder die kostenlosen Flyer, die in unseren Taschen herumlagern, den Aufkleber „Circulate this“ vom Londoner Bookshop AA oder die zwei Mixtapes „Girls grow up faster“ und „Girls Internationale. ’60s female artists from Foreign Lands“? Wir werden es nie erfahren, denn nachdem er immer näher gerückt war, gingen wir und zahlten.

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Unter dem Motto-Box. Foto: Motto Distribution

Eigentlich wollte ich aber von der zweiten Messe unabhängiger internationaler Magazine im Kreuzberger Buchladen „Motto erzählen, auf der wir vorher gewesen waren, aber dort erstand ich weder sperrige Theorietexte „What means why?“, tolle Zeichungshefte (Fukt Magazin), die lässige Literaturzeitschrift F.R. David noch das schöne Plakat mit Farbverlauf „Hot dogs are not book marks“, sondern nur besagte Mixtapes. Rebellion gegen Print? Nein. Denn noch eigentlicher wollte ich davon schreiben, dass ich heute zum ersten Mal in meinem Leben zwei Zeitungsseiten mit Text befüllt habe, überregional! Denn heute feierte die Frankfurter Rundschau ihr 65-jähriges Bestehen mit einer 64 Seiten dicken Beilage über die Zukunft von Print und Netz und ich durfte auch was dazu sagen. Die FR hat sich selbst ein Geburtstagsgeschenk gemacht und ihren Onlineauftritte erneuert. Ich finde, die Seiten sehen gut aus: Mir gefallen besonders die Reiter und die verlinkte Rubrizierung über den Texten. Das erleichtert das Navigieren enorm. Auch der viele Weißraum, den sich Onlineseiten immer mehr gönnen, so als verabscheuten sie auch, wie die Zeitungsmacher, endlose Bleiwüsten, hat es mir angetan. Weißraum war, das entnahm ich dem US-amerikanischen Webmagazin Slate, übrigens schon seit Anbeginn der Zeitungsgeschichte integraler Bestandteil des Mediums: Der 1704 gegründete Boston News-Letter enthielt leere Stellen, auf denen der Leser seine eigenen Gedanken eintragen konnte – wie heute die Kommentatoren in Blogs.

Dieser Text sollte eigentlich eine Hommage an die Leertaste sein. Aberdashabichjetzttotalvergessen.

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Minirezension

Donnerstag, 19. August 2010

Sinnierte ich doch gerade mit einem befreundeten Lyriker darüber, inwiefern neue Lyrik, wenn sie es denn in die Buchform geschafft hat, überhaupt besprochen wird und wo. Und finde die erste Minirezension meines letzten Lyrikbands auf WDR5. Ich freue mich! (mehr …)

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Beziehungsweise Geräte

Sonntag, 15. August 2010

Im Juli schreiben die 20 Autorinnen und Autoren auf Los Superdemokraticos über Intimität, Geschlecht und Körper. Und sehr oft geht es um unsere Beziehung zu Geräten:

Da liegt etwas neben mir und blinkt, als ob es atmet. Manchmal nehme ich es auf den Schoß, dann wird mir ganz warm. Ich spreche hier nicht von einem Fahrradlichtdildo oder einer Katze mit blitzenden Augen, nein, ich spreche von einem Gerät. Habe ich ein Verhältnis mit meinem Computer? Was für eines ist das? Hat er sich in eine herzförmige Box verwandelt, die meine Gefühle kontrolliert? (mehr …)

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Tengo un proyecto por 15 dias

Mittwoch, 14. Juli 2010

Hyperlinks sind out, schreibt Johannes Thumfart auf Zeit Online. Ich würde dagegen setzen: Nein, sie sind in, aber nur, wenn sie einen neuen Gedanken mit sich bringen. Vielleicht ist es nicht mehr allzu angesagt, Romane zu schreiben, die sich nur durch mühsame Klick-Spaziergänge lesen lassen. Wir wollen schnelle Seiten, inhaltlich anregende, individuelle Seiten mit wenig Schnickschnack. Denn: Vor allem kommerzielle Klickgalerien sind out. Jeder, der online mit Texten arbeitet, versucht, sie möglichst zu vermeiden.

Seit einiger Zeit experimentiere ich damit, einzelne Worte und Begriffe von im Blog veröffentlichten Gedichten mit Links zu versehen. Aktuell auf einem Blog „Ich habe ein Projekt für 15 Tage“ mit der argentinischen Dichterin Paz Levinson: Jeder Text, abwechselnd von einer von uns geschrieben, enthält einen Link, über den dann die nächste schreibt. Diese Verkettung von Webseiten illustriert telepathische Assoziationen, Bilder vermitteln Wege durchs Netz, eine Recherche, einen Pfad nach draußen.

Diese Webtipps, wie ich sie auch nennen könnte, sind wie kleine Geschenke, die der Leser aufmachen kann oder nicht. Hier ist der Klick nur ein Angebot, kein psychologischer Zwang. Eine weitere Dichterin aus Buenos Aires, Cecilia Pavón, sieht das ähnlich: „Poemas con links un nuevo genero“ (Gedichte mit Links, ein neues Genre). Und daher verlinken wir weiter, ich im deutschen Sommer, Paz im argentinischen Winter. Welche Jahreszeit herrscht in unserem 15-Tage-Projekt? Sommerwinter oder Wintersommer? Oder die Wintersonne?

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Tag Null

Samstag, 12. Juni 2010

Gestern war WM-Start, der bisher heißeste Tag im Jahr und Tag Null in der superdemokratischen Zeitrechnung!

Denn gestern haben wir mit einer Party den Start von Los Superdemokraticos gefeiert, unserer literarischen Partei für intellektuelles Fairtrade. Vier Monate, bis 11. Oktober, läuft nun unsere zweisprachige literarische Kampagne mit 20 lateinamerikanischen und deutschen Autorinnen und Autoren in zwölf Ländern. Sie werden auf einem Blog darüber schreiben, wie sich Politik, Liebe, Arbeit und die Menschen in dem Land verändern, in dem sie leben“, wie es der Freitag, unser Medienpartner, so simpel wie anschaulich zusammengefasst hat.

Unsere real-life-Kampagne sieht so aus: Wir haben alle unsre Gäste, Freunde und die Bands el mató a un policía motorizado (Buenos Aires) und Sudaca Power (Berlin) mit Aufklebern markiert, ein Banner ins Acud gehängt und uns selbst als Werbeträger benutzt. Als ich das T-Shirt in einem Kreuzberger Copyshop bedrucken ließ, kam eine englischsprachige Frau in den Laden. Der Besitzer sagte zu ihr: „When you want to live here, you either have to learn German or Turkish.“ Und dann presste er die Logos auf den Stoff.

Niko superdemokratisch

Wer diese T-Shirts gut findet...

Rery superdemokratisch

... kann sie bei uns bestellen!

Mich hat diese kleine Integrations-belehrung amüsiert, denn genau darum geht es ja auch uns, auf dem Blog: Wir wollen lesen, wie sich Autoren verorten, wie sie Fremdheit ertragen oder daraus schöpferisch tätig werden, wie sie sich als denkende, kreative Menschen selbst behaupten und damit viel über die Möglichkeiten von Dialog in ihrem Land erzählen. Bei unserem ersten Sommersalon (es folgen noch drei!), haben wir natürlich auch viel gequatscht, schließlich war der erste Arbeitstitel der Seite „Charlamos“/Lass uns quatschen. Wir quatschten also mit argentinischen Musikern über Jack Kerouacs „The Dharma Bums“ und deutsches Bier, dachten über die Kürzungen in deutschen Finanzhaushalten nach, betrachteten eine merkwürdige Kaktuslampe, diskutierten mit Autoren über Rechtschreibfehler, die angemessene Vergütung von schriftstellerischer Arbeit und selbstorganisierte Demokratie – und planten bereits eine Abschluss-Konferenz in Buenos Aires. Alles ist möglich!

Den ersten Pingback gibts auch schon: Das cibera-Blog, eine Online-Fachbibliothek zu Spanien, Portugal und Lateinamerika, hat uns in einem tollen, dreidimensionalen Screenshot präsentiert.

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grüne punkte

Mittwoch, 13. Januar 2010

ich war eine dose, sagte der politisch korrekte computer.
festplatten und semantik wurden recyclet. die elektrifizierung
war unsere millenniumsmutter, ach du liebes metall
mit softem kern. und als von tausend jahren
alle vergangen waren
, gruben archäologengruppen
nach relikten des religiösen jahrzehnts,
von dem sie erzählten:
diese kultur klappte stündlich auf und zusammen,
sie huldigte dem blankolicht.
saß gekrümmt vor einzelnen schreinen.
die wärmten den schoß. und dann
kamen das aufgebot und die inneren hymnen,
die flimmernden viren und pornofallen.
so dass nur noch an ein überleben zu denken war
als mönch. auf freiem
feld.

Mein erstes Gedicht mit Hyperlinks, also das erste Hyperlink-Gedicht. Eine neue Art des close readings. Denn das Lesen nimmt ja mit dem Internet nicht ab, eher zu, es verändert sich. Mehr dazu in den nächsten Tagen.

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Horse Montage

Freitag, 8. Januar 2010

Die Technik des „Neu-Kopierens“ kannte ich bisher noch nicht, ich bin begeistert: Alexander Gumz erklärt auf dem von Nokia gesponsorten Blog „Sounds like me“ das Phänomen der Literal Videos: Die Clips werden wörtlich genommen, die Absurdität mancher Einstellungen und Regieeinfälle ist nicht mehr nur visuelle Staffage der Musik, sondern geriert zur Hauptaussage. So wird aus „Penny Lane“ „Horse Montage“. Genial.

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o tannenbaum

Donnerstag, 24. Dezember 2009

es ist die ungedruckte tradition dieser familie, den festlichen baum
erst spät zu kaufen. wir fahren zum st. joseph (stift) und nehmen uns
der krummsten fichte an. feilschen und handeln um jeden zweig vom müllberg,
unverpackt aufs autodach verpflanzen, festgezurrt mit gummistrapsen.
zu hause hackt der vater den fuß ab, die mutter kehrt die nadeln weg.
die kinder flüstern beim schmücken witze, weil die krippe
immer auseinander fällt und die engel sich
zum fenster drehen. was sie dort ohne augen sehen?

Wer sich lieber mit Nordmanntannen als mit der Rettung von Fichten beschäftigt, dem sei Jakob Augsteins Text ans Herz gelegt. Er spricht sich eher gegen den Tannenkauf aus – aber warum sein Blatt, der Freitag, dann eine Tanne als Aboprämie anbietet, entzieht sich leider meiner Logik.

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Das Persönliche

Freitag, 4. Dezember 2009

Schreib, schreib …
Schreib von der Unsterblichkeit der Seele,
vom Liebesleben der Nordsee-Makrele;
schreib von der neuen Hauszinssteuer,
vom letzten großen Schadenfeuer;
gib dir Mühe, arbeite alles gut aus,
schreib von dem alten Fuggerhaus;
von der Differenz zwischen Mann und Weib …
Schreib … schreib …

Schreib sachlich und schreib dir die Finger krumm:
kein Aas kümmert sich darum.

Aber:
schreibst du einmal zwanzig Zeilen
mit Klatsch – die brauchst du gar nicht zu feilen.
Nenn nur zwei Namen, und es kommen in Haufen
Leser und Leserinnen gelaufen.
„Wie ist das mit Fräulein Meier gewesen?“
Das haben dann alle Leute gelesen.
„Hat Herr Streuselkuchen mit Emma geschlafen?“
Das lesen Portiers, und das lesen Grafen.
„Woher bezieht Stadtrat Mulps seine Gelder?
Das schreib – und dein Ruhm hallt durch Felder und Wälder.

Die Sache? Interessiert in Paris und in Bentschen
keinen Menschen.
Dieweil, lieber Freund, zu jeder Frist
die Hauptsache das Persönliche ist.

Kurt Tucholsky (1890-1935), erschienen unter dem Pseudonym Theobald Tiger in Die Weltbühne, 23.06.1931, Nr. 25, S. 928. Via lyrikmail.

(Kurt Tucholsky wäre bestimmt auch ein guter Blogger gewesen. Und er hätte Fräulein Meier einfach ein eigenes persönliches Blog gebastelt. Er selbst wäre als reimender Onliner in die Annalen eingegangen. Ja, wo sind sie denn, die reimenden Blogger?)

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Auf ein Wort

Sonntag, 8. November 2009

Manchmal reichen wenige Worte aus, um Geschichte zu schreiben: „Wir sind das Volk“, riefen im Herbst 1989 die Demonstranten in Leipzig und andernorts. Sie riefen: „Die Mauer muss weg.“ Vier Wörter. Damit schlägt das revolutionäre Fußvolk in der Kategorie „very short story“ die „Six-Word-Memoirs„, ein Blog des US-amerikanischen Smith Magazines. Aber natürlich lässt sich aus dem 20-jährigen Jubiläum auch eine Sechs-Wörter-Geschichte stricken:

Die Mauer ist weg. Was noch? / 1990 hat man sich Trabis geschenkt./ Was machst du am 9. November?

Ergänzungen erwünscht! Andere kurze und kurzweilige Mauernachrichten finden sich auf der Berlin Twitter Wall, die kurzfristig von chinesischen Twitterern benutzt wurde, um auf Zensur in ihrem Land aufmerksam zu machen – so dass China die Seite sperrte und Reporter ohne Grenzen protestierte. Aber nicht nur um das Internet werden Mauern gebaut. Der Exberliner, Sprachrohr der in Berlin lebenden englisch-sprachigen Expats, will gar mit einem Festival vom 13. bis 15. November im Stattbad Wedding ganz Berlin vor schlechter Architektur und menschenunfreundlicher Stadtplanung retten und Berlin als kreativen Ort feiern: Save Berlin, fordern sie. Sie bieten „Extrem-Basteln„, ein Bankett mit „home-made food“, einen Souk-Basar, wo sich Berliner Kleindesigner und Vintage-Verkäufer vorstellen, Konzerte, Filme, Gespräche, und vor allem eine Kunstausstellung. Das Slab Mag – das „heuristic magazine for gonzo blurbanism“ – will bei der Podiumsdiskussion mit dem Aufruf „Serve Berlin“ kontern, so jedenfalls kündigt es einer der Slab-Herausgeber, Ian Warner an.

Auch mit zwei Wörtern kann man in Berlin viel sagen.

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Jump on the love train

Dienstag, 13. Oktober 2009
20_lovetraintiny_420

Da kommt der Love Train! Illustration: Anne Vagt

Schickte Cat Stevens noch einen „Peace Train“ (hier ein Video von 1976) durch die Welt, auf den alle Menschen aufspringen und dann ganz glücklich sein sollten, setze ich eher auf den „Love Train“ der Hamburger Zeichnerin Anne Vagt. Auf den kann man jetzt aufspringen: In meinem neuen Lyrikband die do-re-mi-maschine, der dieser Tage in der Lyrikedition2000 erschienen ist, geht es nämlich auch um Liebe in Zeiten von Beschleunigung. Und natürlich um Liedhaftes. Also da ein Reim und dort ein Reim.

Vorstellen werde ich den Band am 21. Oktober in der Lettrétage, einer Gründerzeitvilla in Berlin-Kreuzberg, Methfesselstr. 23-25, 20 Uhr. Eintritt: 5 Euro. Für die ersten zwei, die sich im Kommentarfeld unten melden, gibts einen Platz auf der Gästeliste. Als Kostprobe ein Preview-Hippiegedicht und ein Preview-Anti-Google-Earth-Gedicht. (mehr …)

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die realität zwischen dir und mir (auf dem flug nach bolivien)

Freitag, 25. September 2009

1
als ich wegnickte, hat die zeitzonennacht dich gebracht,
mein kopf, dein kopf, die ganze welt in eine schulter
gekippt mit dem push-back-sesselknopf,
in diese temperierte nische, die ich sofort finde,
wenn ich mich hinwende, bitte bleiben sie (mehr …)

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